Azubi Wohnbereich in St. Anno

|   Allgemeines

Schon über Jahre beobachten und verfolgen wir die Rolle der Auszubildenden in der Altenpflege. Nicht erst seit der Einführung der „Generalistik“ steigen die Ansprüche und Anforderungen an die Auszubildenden  und die Praxisanleiter stetig an. Die Vielzahl der mittlerweile zu erfüllenden Vorgaben, wie z.B. Nachweise und Dokumentation der Anleitungen, Gespräche mit Auszubildenden sowie Gewährleistung und Nachweis  von 10 % praktischer Anleitungszeit, bedeuten einen sehr hohen Zeitaufwand für die Praxisanleiter, die ganz „nebenbei“ ja auch noch ihrer eigentlichen Tätigkeit als Pflegefachkraft nachkommen müssen.

Es besteht die Gefahr der Überforderung der Praxisanleiter, was wiederum zu Unstimmigkeiten im Team, zu allgemeiner Unzufriedenheit aller Mitarbeiter und der Auszubildenden sowie zu einer nachlassenden Qualität der praktischen Ausbildung führen kann. Knappe personelle Ressourcen können außerdem dazu verleiten, die Arbeitskraft der Schüler auszunutzen, statt ihnen eine vernünftige praktische Ausbildung zu bieten.

Außerdem geht diese Situation auch zu Lasten der Bewohner, der Pflegequalität und der Zukunftsorientierung. Nicht zuletzt leidet darunter auch die Außenwahrnehmung des Berufs der Pflegefachkraft, der sehr häufig nicht als „vollwertige Profession“ angesehen wird, ganz nach dem Motto „pflegen kann doch jeder“. Generalistik erfordert auch einen Paradigmenwechsel in der Praxis! Die Generalistik bietet gute Ansätze, um diese Probleme anzugehen, allerdings sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass die gewohnten und veralteten Wege der praktischen Ausbildung nicht den innovativen Zeitgeist der Generalistik  widerspiegeln und mit dieser nicht vereinbar sind.
Ziel unseres Projekts ist es also, einen Weg zu finden, die Qualität der praktischen Ausbildung im Rahmen der generalistischen Ausbildung erheblich zu verbessern und gleichzeitig die Außenwahrnehmung des Berufes der Altenpflegefachkraft deutlich aufzuwerten.

Der Weg

Das gesamte Team des Wohnbereichs steht hinter diesem Projekt und alle sind motiviert, ihren Teil dazu beizutragen. Neben den ausgebildeten Praxisanleitern stehen auch die anderen Mitarbeiter bereit, als
„Mentoren“ mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Kompetenzen, den Auszubildenden ihr Wissen und ihre Erfahrung weiterzugeben und damit die Anleiter zu unterstützen und zu entlasten. Die Anleitungen und weiteren Aufgaben der Praxisanleitung können so auf mehrere Personen, auch unter Berücksichtigung individueller Eignung, verteilt werden. Auch schülerübergreifende Anleitungen, mit und ohne Begleitung durch einen Praxisanleiter, können individuell und problemlos realisiert werden („Jüngere“ lernen von den „Älteren“).

Die enge Zusammenarbeit zwischen WBL und den Praxisanleitern ermöglicht eine optimale Dienstplangestaltung. Die Planung erfolgt „auszubildendengerecht“ und kann bei Bedarf problemlos angepasst werden. Eine Praxisanleitung ist jederzeit gewährleistet. Einzelne Anleitungen und ganze Anleitungstage können im Voraus geplant werden, wobei je nach Thema und Inhalt, der nach Fähigkeit und Kompetenz optimale Praxisanleiter gewählt wird.

Da sich die praktische Ausbildung in einem einzigen Wohnbereich abspielt, gestaltet sich die gesamte Kommunikation, wie Absprachen und Koordination zwischen den einzelnen Pflegeschulen, Lehrern, Auszubildenden und der Praxiseinrichtung, Praxisanleiter, Mentoren deutlich transparenter und einfacher. An einem, speziell für die Auszubildenden eingerichteten PC-Arbeitsplatz sowie mittels eines zusätzlichen Laptops, kann der Azubi intensiv die Arbeit am PC erlernen. So kann er von Beginn an in den Pflegeprozess mit einbezogen werden und diesen länger am Stück nachverfolgen.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Sozialtherapeutischen Dienst, Physio und Ergotherapeuten, Ärzten etc., kann in jeder Situation miterlebt, erlernt und mitgestaltet werden.

Das Ergebnis


Die Auszubildenden erhalten die Möglichkeit, in einem gut funktionierenden Team die Praxis dauerhaft zu erleben. Sie sind von Anfang an Teil des Teams und in dieses voll integriert. Sie erhalten bestmögliche, individuelle und dem Ausbildungsstand entsprechende Anleitung. Gleichzeitig haben sie stets „das große Ganze“ im Blick und die Rollenfindung jedes Einzelnen kann ausbildungsstandgerecht von Anfang an begleitet werden. Die Auszubildenden können unter- und voneinander lernen, sich gegenseitig unterstützen und austauschen. Die Handlungskompetenz wird so stetig weiterentwickelt und die Teambildung, die Zufriedenheit und die Motivation aller Auszubildenden werden gefördert.

Wir sehen durch diese Form der praktischen Anleitung auch eine gute Chance, die Auszubildenden zu einem Verbleib in der stationären Langzeitpflege zu motivieren und nicht im 3. Ausbildungsjahr
in die akute Pflege „abzuwandern“.
Nicht nur die Auszubildenden profitieren von dem Projekt: Durch die temporäre Anwesenheit mehrerer Auszubildender können Pflegehelfer als Springer, bspw. bei krankheitsbedingten Ausfällen in anderen Wohnbereichen, eingesetzt werden. Krankheitsbedingte Ausfälle auf dem eigenen Wohnbereich lassen sich besser kompensieren. Dies spart personelle und finanzielle Ressourcen, kommt den Teams entgegen und führt zu einer Einsparung von unattraktiver und sehr teurer Zeitarbeit.
Das Projekt wird zu einer positiven Außenwirkung unserer Einrichtung und des Trägers gegenüber Angehörigen und Außenstehenden beitragen. Auch die Außenwahrnehmung des Berufes der Altenpflege wird einen positiven Einfluss erfahren.
Es sichert langfristig eine hohe Ausbildungsqualität, die Auszubildenden lernen unsere Einrichtung, den Umgang mit der Dokumentation und alle weiteren einrichtungsspezifischen Dinge von Beginn an kennen und werden so bestmöglich auf ihr späteres Berufsleben (im Idealfall natürlich in der MARIENBORN) vorbereitet.

Die MARIENBORN hat hier die Gelegenheit, an vorderster Stelle bei der praktischen Umsetzung der Generalistischen Ausbildung mitzuwirken.

"Die Azubis von heute sind unsere Mitarbeiter von morgen!“

Zurück